Bundestagswahl 2017

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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon walteranamur » 25. Sep 2017, 22:41

Dank dem, dass die AfD in sich zerstritten ist, wurde es nicht mehr. Dank dem, dass die völlig Durchgeknallten in den letzten Wochen im Vordergrund standen und polarisierten, bliebe es bei 13%.

Schau die Ergebnisse in Sachsen an. Ich schätze das derzeitige Potential der AfD tatsächlich bei über 20%, wenn so weiter politisiert wird.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon Beslira » 26. Sep 2017, 11:41

walteranamur hat geschrieben:
Schau die Ergebnisse in Sachsen an. Ich schätze das derzeitige Potential der AfD tatsächlich bei über 20%, wenn so weiter politisiert wird.


In den sozial schwachen Regionen liegt das "Potential" der AfD bei über 40 Prozent.....zum Glück gehen in diesen Regionen aber auch nur 50 Prozent zur Wahl......deshalb bleibt es wohl bei 20 Prozent.

In den Hamburger Stadtteilen wo es eine hohe Wahlbeteiligung (bis 90 Prozent) gab, kam die AfD nur auf 5 Prozent. In den Stadtteilen mit geringer (50 Prozent) Wahlbeteiligung kam die AfD auf über 12 Prozent. In Summe haben in Hamburg aber nur 7,9 Prozent die AfD gewählt.......und das ist für eine Protestpartei ohne Programm auch völlig ausreichend....

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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon walteranamur » 26. Sep 2017, 12:46

Hamburg war meiner Meinung nach eine SPD-Hochburg. Das ist vorbei und das Resultat der AfD ist relativ zu bewerten. In den meisten Bundesländern erzielt sie zweistelligen Stimmenanteil bei Zweitstimmen.Sogar in München, womit ich der Großstadttheorie widersprechen möchte.

Es wird in Zukunft unklug sein, dauernd das Bildungsthema und die Nazi-Keule zu schwingen. Es beginnt ja schon wieder: Wer sitzt im Bundestag neben der AfD.

Denn: 1 Mio Wähler wechseln von der CDU zur AfD, rund eine Mio wechseln von SPD und Linken zur AfD. Das sind also jetzt plötzlich alles Nazis? ...welche aber die Vorsitzenden der CDU und SPD wieder "zurückholen" wollen. Könnte manalso auch unter "verlogener gehts nicht" einfügen.

Also, das AfD-Programm ist über weite Belange Kacke, wenn man es genau durchliest und fokussiert sich auf Fremdenfeindlichkeit in jeder Hinsicht und hat diverse wirtschaftliche und Soziale Trojaner, welche genau DIE Menschen treffen wird, welche die AfD gewählt haben. Dass diese Partei trotzdem den Etablierten so viele Wähler absaugen kann, muss also andere Gründe haben.

Anstatt die neuen Bundesländer medial zu bashen und die Bildungskeule zu schwingen, wäre es seit Jahren angebracht, die Soziale Situation Deutschlands genauer unter die Lupe zu nehmen. Daneben: 87% Prozent der Wählerinnen und Wähler und der Abgeordneten stehen ohne AfD Gedankengut da. Also, was soll der Aufstand?

Noch ein Hinweis: Die Sprüche von Merkel und Schulz können doch über 25 % der Bevölkerung überhaupt nicht mehr hören, da sie nicht in die definierte Gruppe "in dem es uns gut geht" fallen. Der Unterschied der höheren Stimmanteile in den neuen Ländern liegt darin begründet, dass hier der Strukturwandel wirtschaftlich, vor allem jedoch demografisch weiterhin eine offene Wunde ist.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon alanya_fuchs » 26. Sep 2017, 13:23

walteranamur hat geschrieben:Also, das AfD-Programm ist über weite Belange Kacke, wenn man es genau durchliest und fokussiert sich auf Fremdenfeindlichkeit in jeder Hinsicht und hat diverse wirtschaftliche und Soziale Trojaner, welche genau DIE Menschen treffen wird, welche die AfD gewählt haben.


Genau so ist es: Das AfD-Programm entschlüsselt vom 14. März 2016

https://correctiv.org/recherchen/neue-r ... hluesselt/

Es gibt wohl noch eine neuere Version, ich habe aber keine Lust mehr zu suchen. Das Lesen ist sehr anstrengend und man muss sehr oft Pause machen ...
um den Blutdruck wieder runter zu fahren.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon Beslira » 26. Sep 2017, 14:27

Walter hat u.A. geschrieben:
Sogar in München, womit ich der Großstadttheorie widersprechen möchte.


München hat zwar mittlerweile eine Mio Einwohner ist aber keine Großstadt im Sinne von großer internationaler Stadt. Wenn die Wiesn vorbei sind kommt das dörfliche wieder zurück.

und

Denn: 1 Mio Wähler wechseln von der CDU zur AfD, rund eine Mio wechseln von SPD und Linken zur AfD. Das sind also jetzt plötzlich alles Nazis?


Erstmal nicht...aber die NSDAP ist auch ganz klein angefangen und nachher waren alle Nazis....am Ende natürlich nicht mehr.

Man könnte sagen man wird zwar nicht als Nazi geboren....aber wenn man willig ist wird man zum Nazi gemacht. Egal ob man vorher CDU, SPD, Linke oder Grüne gewählt hat. Die FDP lasse ich mal außen vor.....ist meine Partei und dort ist kaum einer gefährdet.

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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon Reyhan » 26. Sep 2017, 19:14

...was war ich froh als ich diese Nachricht gestern gelesen habe !
Quelle

Aber es gibt eben nicht nur das Kreuzviertel..da hat der Mann im Artikel schon recht.

Ansonsten beschäftigt mich dieses Wahlergebnis schon sehr !

1 Mio Wähler wechseln von der CDU zur AfD, rund eine Mio wechseln von SPD und Linken zur AfD.


Bekomme ich einfach nicht verstanden !

Ist die Erklärung von Biermann vielleicht eine von vielen ?

Quelle

walteranamur hat geschrieben:
Also, das AfD-Programm ist über weite Belange Kacke, wenn man es genau durchliest und fokussiert sich auf Fremdenfeindlichkeit in jeder Hinsicht und hat diverse wirtschaftliche und Soziale Trojaner, welche genau DIE Menschen treffen wird, welche die AfD gewählt haben.


Wer das weiss, kann doch unmöglich seine Stimme diesem Haufen geben. Wie groß muss die Wut/Enttäuschung dieser Wähler sein ?

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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon alanya_fuchs » 26. Sep 2017, 20:00

Reyhan hat geschrieben:Wie groß muss die Wut/Enttäuschung dieser Wähler sein ?


Ein Politikwissenschaftler sagte gestern, dass auch noch bei vielen AfD Wählern im Osten eine große Portion Neid auf den besser dastehenden Westen dazu kommt.
Dieser Neid ist völlig unbegründet, der Westen hatte 1989 einfach 40 Jahre Vorsprung. Glaubt wirklich jemand, dass man diese ungeheure finanzielle Last und Riesenaufgabe in 25 Jahren ausgleichen und aufarbeiten kann, wenn auch noch eine Wirtschafts- und Bankenkrise dazu kommen?
Sicher wurden auch große Fehler gemacht, fast jeder im Osten hat die Versprechungen von Helmut Kohl geglaubt. Fast jeder hat den Versprechungen der Wirtschafts- und Finanzhaie geglaubt. Was wurde da in den ersten Jahren sinnlos privates Vermögen verpulvert, völlig blind und berauscht ist man in das Desaster gerauscht. Wie viele wurden da betrogen und ja, man hätte diese Menschen mit einem langsamen Übergang schützen müssen.

Ich habe trotzdem Verständnis dafür, dass sich diese Menschen abgehängt fühlen. Aber das ist ein ganz anderes Thema.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon walteranamur » 26. Sep 2017, 20:44

Reyhan hat geschrieben:
walteranamur hat geschrieben:
Also, das AfD-Programm ist über weite Belange Kacke, wenn man es genau durchliest und fokussiert sich auf Fremdenfeindlichkeit in jeder Hinsicht und hat diverse wirtschaftliche und Soziale Trojaner, welche genau DIE Menschen treffen wird, welche die AfD gewählt haben.


Wer das weiss, kann doch unmöglich seine Stimme diesem Haufen geben. Wie groß muss die Wut/Enttäuschung dieser Wähler sein ?

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Reyhan, die Frage ist, WEM soll man die Stimme geben? Ich musste mir die Frage glücklicherweise nicht stellen, hätte aber gröbere Probleme gekriegt.

Ich leben in einem Bundesland, in welchem Schwarz-Rot seit Jahren die Koalition stellt und eigentlich neben Fördergeldskandalen, rigorosem Strukturabbau und einem unglaublichen strategischen Zickzackkurs wenig Vernünftiges zustande gebracht hat. Dazu kommt ein Umgang mit der Bevölkerung und Kritikern (auch innerparteilich!!!), welcher unter jeder Kanone ist und den innerparteilichen Querelen der AfD in nichts nachsteht - nur diskreter..... Im Weiteren vertreten die Parteien ein Alterssegment, welchem ich zwar zugehörig bin, aber ich vermisse Zukunftsstrategien.

Also Grüne? Nein. Ist zu sehr Randthemen-Partei. Ein wirkliches Vollprogramm vermisse ich da.

Linke? Habe ich als Partei erlebt, welche gute Dinge im Programm hat, aber regelmäßig als Opposition in der 2. Legislaturhälfte die Zähne verliert, weil sie so gerne endlich auch mal regieren möchte. Natürlich RRG.

AfD hatten wir schon.

FDP? Tut mir leid. Auch in diesem Parteiprogramm gibt es unzählige Punkte, welche professionell formuliert, aber im Kern das Gegenteil von dem beinhalten, was dem Wahlvolk suggeriert wurde. Was mich im Weiteren stört: Die CL one man show. Selbst ein Kubicki hat im Wesentlichen auf seine gefürchteten Scharfmacher-Auftritte verzichtet. Hinter dem Lindner-Schild ein Tross Gläubiger, welcher alles nachgebetet hat, was er so tagesaktuell von sich gegeben hat. Die wirkliche Klientel der FDP ist und bleiben Hochfinanz, Industrie, Schutz des Großkapitals. Das zeigen auch die Wahlspenden!

Was bleibt ?????

In unserem Bundesland war dies in Sachen Zweitstimme eine der meistgestellten Fragen, wenn vernünftig diskutiert wurde. DAVON hat die AfD profitiert. Eine Watsche, ein Denkzettel an Schwarz/ROT für eine hochproblematische Innen- Sozial- und Bildungspolitik.

Andere haben ihre Stimme der FDP gegeben. Nicht weil sie überzeugt waren, aber angesichts von Pest und Cholera schien dies noch ein gangbarer Weg.

Das Korrektiv wird in 4 oder vielleicht 5 Jahren kommen, davon gehe ich aus - sofern CDU und SPD ihre Verjüngungskur ernsthaft angehen.

Aus meiner Sicht: Nicht die Sozialdemokratie ist tot, sondern die Leute, welche behaupten, Sozialdemokratie zu gestalten. Gilt übrigens auch für "christdemokratisch".
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon Kunz » 26. Sep 2017, 21:04

walteranamur hat geschrieben:Hamburg war meiner Meinung nach eine SPD-Hochburg. Das ist vorbei und das Resultat der AfD ist relativ zu bewerten. In den meisten Bundesländern erzielt sie zweistelligen Stimmenanteil bei Zweitstimmen.Sogar in München, womit ich der Großstadttheorie widersprechen möchte.

Es wird in Zukunft unklug sein, dauernd das Bildungsthema und die Nazi-Keule zu schwingen. Es beginnt ja schon wieder: Wer sitzt im Bundestag neben der AfD.

Denn: 1 Mio Wähler wechseln von der CDU zur AfD, rund eine Mio wechseln von SPD und Linken zur AfD. Das sind also jetzt plötzlich alles Nazis? ...welche aber die Vorsitzenden der CDU und SPD wieder "zurückholen" wollen. Könnte manalso auch unter "verlogener gehts nicht" einfügen.

Also, das AfD-Programm ist über weite Belange Kacke, wenn man es genau durchliest und fokussiert sich auf Fremdenfeindlichkeit in jeder Hinsicht und hat diverse wirtschaftliche und Soziale Trojaner, welche genau DIE Menschen treffen wird, welche die AfD gewählt haben. Dass diese Partei trotzdem den Etablierten so viele Wähler absaugen kann, muss also andere Gründe haben.

Anstatt die neuen Bundesländer medial zu bashen und die Bildungskeule zu schwingen, wäre es seit Jahren angebracht, die Soziale Situation Deutschlands genauer unter die Lupe zu nehmen. Daneben: 87% Prozent der Wählerinnen und Wähler und der Abgeordneten stehen ohne AfD Gedankengut da. Also, was soll der Aufstand?

Noch ein Hinweis: Die Sprüche von Merkel und Schulz können doch über 25 % der Bevölkerung überhaupt nicht mehr hören, da sie nicht in die definierte Gruppe "in dem es uns gut geht" fallen. Der Unterschied der höheren Stimmanteile in den neuen Ländern liegt darin begründet, dass hier der Strukturwandel wirtschaftlich, vor allem jedoch demografisch weiterhin eine offene Wunde ist.


Nazi-Keule? Welche Keule?
Schau dir doch mal die Äußerungen von Gauleiter an: Das Volk und das Land will er zurückholen. Die Staatsministerin Özoguz in Anatolien entsorgen. Tot oder lebendig? Das Zustandekommen von Jerome Boateng hält er anscheinend für Rassenschande, sonst hätte er nichts gegen "so jemanden wie" ihn in der Nachbarschaft. Und das Andenken an die Soldaten im IIten Weltkrieg will er ehren, er hat nicht mal Wehrmacht gesagt, also meint wohl auch noch die Waffen-SS. Ehren wofür? Den Massenmord an "Untermenschen"?

Und das Bildungsthema? Schau dir mal die Wahlergebnisse in westdeutschen Großstädten an. In den Stimmbezirken, wo die Menschen mit dem höchsten Bildungsgrad wohnen, kriegt die AfD kein Bein auf die Erde.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon walteranamur » 26. Sep 2017, 21:18

Hallo alanya-fuchs

Was wurde da in den ersten Jahren sinnlos privates Vermögen verpulvert, völlig blind und berauscht ist man in das Desaster gerauscht. Wie viele wurden da betrogen und ja, man hätte diese Menschen mit einem langsamen Übergang schützen müssen.


Das gilt in Sachsen-Anhalt heute noch genau so. Aber es war nicht privates Vermögen. Dieses kam aus dem Westen und wurde eingesetzt um das wenige "Volkseigentum" (ich spreche aus der Perspektive der Betroffenen), welches noch brauchbar war, in die Finger zu kriegen, gekoppelt mit satter Förderung und wenige Jahre später abzutransportieren.... In unserer Region hat das tatsächlich stattgefunden.

Das Schlimme an der ganzen Sache. Heute sind es Fördergelder der EU, welche von den Landesregierungen knallhart eingesetzt werden, um "Investoren" (welche als Heuschrecken - oder aber Freunde der Fördergeldgeber zu bezeichnen sind!!) ins Land zu holen, welche 5 Jahre später sang- und klanglos pleite gehen und die Fördergelder schon längst anderswo beziehen. Gleich zwei englisch-schweizerische Investorengruppen machen da ganz dicke Kohle.

Lichtblick: Seit etwa 2 Jahren ist eine Trendwende sichtbar. Wie in Mecklenburg-Vorpommern gibt man langsam den Traum von der Großindustrie auf und fördert vermehrt Mittelstand und Kleinunternehmer.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon walteranamur » 26. Sep 2017, 21:35

Hallo Kunz

Was Gauland rauslässt ist jenseits von allem völlig klar.

Ich habe versucht eine gesellschaftliche Kluft zu beschreiben. Übrigens nicht einfach wegen der btw17 , ich schreibe schon seit Jahren dazu.

Hier aus dem Jahre 2012

und hier im November 2016

bevor ich dir direkt antworte musst du mir weiterhelfen:

Nenne mir einige Wahlbezirke mit höchstem Bildungsgrad. ;)
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon Kunz » 26. Sep 2017, 23:02

walteranamur hat geschrieben:
Nenne mir einige Wahlbezirke mit höchstem Bildungsgrad. ;)


Ich kann dir auf Anhieb nur mit Köln und den Stadtbezirken weiterhelfen. In Köln ist das Bildungsniveau in den Stadtbezirken Lindenthal und Innenstadt am höchsten. (gemessen an dem Anteil der Menschen mit Hochschulreife) Quelle: http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/co ... refrei.pdf Grafik auf Seite 35.
Am niedrigsten ist es in Chorweiler, Porz und Kalk.

Bei der Bundestagswahl erhielt die AfD die geringsten Stimmenanteile in der Innenstadt (4,05%) und Lindenthal (4,53%)
Die höchsten Anteile erhielt sie in Chorweiler (11,75%) und Porz (10,97%), gefolgt von Kalk. Quelle: http://wahlen.stadt-koeln.de/prod/BTW20 ... immen.html
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon walteranamur » 27. Sep 2017, 00:53

Danke Kunz ;)

Glaubst du, dass die Leute in Lindenthal irgendeinen Grund haben könnten, an den derzeit bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern?

Link1

Link 2


Köln Porz

Link1

Link2

Ohne jetzt Köln genau zu kennen, würde ich mal sagen, dass es sich um zwei Quartiere mit sehr unterschiedlicher sozialer Struktur handelt. Dabei möchte ich einen Begriff über die Bildung stellen, nämlich Kaufkraft. Natürlich kann Bildung entscheidend sein für ein gutes Einkommen, muss es aber nicht.

Wer in Lindenthal wohnt, hat offensichtlich deutlich mehr Geld zur Verfügung als die Einwohner in Porz. . Dieses "nicht für jedermann erschwinglich" führt natürlich dazu, dass gewisse Problemthemen hier nicht stattfinden. Beispielsweise Unterbringung von Asylbewerbern.

Es ist aber auch so, dass ein Lindenthaler mit 4000 - 7000 € Monatseinkommen (und sonst kann er sich diese Wohnungen nicht leisten) weder mit Krankenversicherung noch hinsichtlich Rente irgendwas zu befürchten hat. Für die meisten ist die Welt in Ordnung. Weshalb also sollen sie gegen die jetzige Regierung stimmen?

Anders sieht es für die Leute in vielen Regionen aus, welche zwar mit der Relation Lohn/Miete auf tieferem Niveau noch halbwegs klar kommen, dann aber feststellen, dass sie geradewegs in die Altersarmut reinlaufen. Dabei geht es um den Fact, dass Erwerbstätige heute ein durchschnittliches Einkommen von etwa 2 200 € brutto haben sollten, um im Alter überhaupt die Grundsicherung zu erreichen. Wenn ich jetzt die Einkommensstruktur in den neuen Bundesländern anschaue, dann ist es verständlich, dass dabegründete Existenzängste auftauchen. Gerade in den neue Bundesländern haben die Themen Niedriglohn, Teilzeit und vor allem Leiharbeit massiv an Gewicht gewonnen.

Das Fatale daran - und damit zurück zum Thema Wahlen : Den "Neid" auf den Westen sehe und höre ich nicht. Dafür die Verquickung "Für Flüchtlinge ist Geld da, aber für uns nicht", "Für Griechenland ist Geld da, aber für unsere Schulen nicht", oder vor den Flüchtlingen "Mit Hartz 4 bläst man Faulpelzen Kohle in den Hintern, aber wer ein ganzes Leben gearbeitet hat, kriegt zum Schluss Grundsicherung in Form von Rente, genau so, wie diejenigen, welche seit 15 Jahren Hartz4 ziehen". DAS sind die Sprüche, welche ich höre. In einer ländlichen Stadt, bestehend aus 10 Ortsteilen ohne gefestigte Parteistrukturen und schon gar keine AfD und trotzdem macht sie bei den Zweitstimmen 25%.

Diese Menschen machen Denkzettelwahlen. Noch vor wenigen Jahren eine klare CDU Hochburg, gefolgt von den Linken und der SPD. Aber auch hier dasselbe. Kaufkraft (vielleicht dank Bildung) und vorhandene Arbeitsplätze bremsen die AfD: Ortsteil Alterode

Worauf will ich hinaus? Es gibt für eine größer werdende Gruppe der Gesellschaft wirklich Gründe, sich von den politisch Verantwortlichen nicht mehr vertreten und verstanden zu fühlen. Das Kernproblem ist also, dass in der Gesellschaft meiner Meinung nach über Jahre und lange vor der Flüchtlingskrise eine 25%-30% / 75% Spaltung entstanden ist, derer sich die AfD bedienen kann.Wer nun mit einer klaren Gegenposition zur Regierung antritt und gleichzeitig einen Schuldigen für die ganze Misere ausmacht, hat da leichtes Spiel.

Gauland demontiert sich selbst, Höcke genau so. Der Traum für die Anhänger endet schnell. Bei uns in Sachsen-Anhalt kommt die AfD 1 Jahr nach Einzug in den Landtag (aus dem Stand 24%) unter massiven Druck "nur" noch 19,6% trotz massivster Werbung . "Jetzt seid ihr schon ein Jahr da - was habt ihr geleistet? Wir merken nichts! Ihr bezieht ja auch nur Kohle!" Die das sagen, meinen, jetzt müsste für sie klar was Positives auf dem Tisch liegen = mehr Lohn, ein Job, mehr Rente. .. und bezüglich dieser naiven Annahme gehe ich mit dir einig: Bildungs-/Intelligenzfrage.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon Jade » 27. Sep 2017, 01:10

Zuerst an Walter: Hab herzlichen Dank für die sorgfältige und gründliche Ausarbeitung der diversen Artikel sowie deinen Erläuterungen. :cherrysmilies148:

Habe soeben ein Artikel von Hasnain Kazim in dessen Facebook-Chronik entdeckt - euch viel Freude beim Lesen :hallo3:


Facebook © 2017

Hasnain Kazim
2 Std.

Gestern schrieb ich den Spruch: „Ich höre heute mehrfach, ich solle die Ostdeutschen ‚endlich ernst nehmen‘. Entschuldigung, ihr kamt 1990 mit nem Trabbi angeknattert und wählt heute mehrheitlich AfD - wie, bitteschön, soll ich euch da ernst nehmen?“ Wie erwartet, sorgte das für Aufregung, und zwar für Zustimmung wie Widerspruch gleichermaßen.

Ich möchte das erklären, denn ich denke, es ist nach der Bundestagswahl vom 24. September an der Zeit, einige Dinge in Zukunft anders anzugehen, deutlich anzusprechen und sich dem Streit zu stellen. Das gilt übrigens nicht nur für Politiker, für Journalisten, Autoren und Publizisten, sondern für jeden. Seit Sonntagabend werde ich das allen abverlangen. Immerhin haben wir eine völkisch denkende Partei im Parlament.

Selbstverständlich ist der Spruch zugespitzt und polemisch. Korrekt hätte er sich an die Wählerinnen und Wähler der AfD im Osten richten müssen, immerhin etwa ein Drittel aller Wahlteilnehmer in Sachsen und ein Viertel in ganz Ostdeutschland. Das ist immer noch katastrophal viel.

FAZ-Wirtschaftsredakteur Franz Nestler schreibt auf Twitter, warum er es leid sei, mit allen AfD-Wählern in einen Topf geworfen zu werden. Ich kann das nachvollziehen. Schließlich sei es ja auch nicht in Ordnung, wenn Muslime sich nach Terroranschlägen rechtfertigen müssten für die Gewalt.

Ich will diesen Vergleich aufgreifen. Natürlich ist es falsch, wenn man von allen Muslimen verlangt, sich von Terror zu distanzieren. Als hätten sie damit etwas zu tun, als wären sie Komplizen der Terroristen. Aber ebenso ist es falsch von Muslimen, wenn sie reflexhaft sagen: „Der Terror hat mit Islam nichts zu tun!“ Doch, hat er! Er kommt aus dem Islam heraus, das radikale Gedankengut wächst dort heran und wird religiös begründet, und innerhalb der islamischen Gesellschaft(en) läuft gewaltig etwas schief. Also müssen Muslime sich mit dem Thema auseinandersetzen. Nur: Sie tun es in weiten Teilen nicht. Ich habe es selbst in Pakistan, in Afghanistan, in der Türkei erlebt. Da wird weggeschaut, kleingeredet, gerechtfertigt. Aus Scham, aus Lethargie, aus geistiger Umnachtung, aus (falscher) Verbundenheit gegenüber den Glaubensbrüdern und -schwestern.

Genauso verhält es sich, leider, in Ostdeutschland. Da wird auch weggeschaut und sich aufgeplustert aufgeregt, wenn man es wagt, das Thema auch nur anzusprechen. Natürlich ist Rechtsextremismus kein alleiniges ostdeutsches Problem. Aber es ist vor allem ein ostdeutsches Problem, und zwar ein gewaltiges! Aber anstatt das anzugehen, werden „national befreite Zonen“ toleriert, wird so etwas Perverses wie „Pegida“ hingenommen, werden Rechtsextreme gewählt, dass es kracht, und ansonsten wird sich empört, als wäre es eine Unverschämtheit, das Problem zu benennen.

So, wie es in der islamischen Welt eine Zivilgesellschaft gibt, die sich den Extremisten entgegenstellt, gibt es in Ostdeutschland Bewegungen, die gegen die Rechten kämpfen. Ich habe sie hier wie dort besucht und kennengelernt. Und hier wie dort sind sie, das muss man leider sagen, relativ erfolglos.

Ich bekomme seit Jahren Hassbriefe, Drohungen, Beleidigungen aller Art. Ich veröffentliche sie nur zu einem ganz kleinen Bruchteil. All jene, die sich über den Spruch mit den Ostdeutschen, den Trabbis und der AfD aufregen und sich geradezu naserümpfend empören, haben dazu noch nie, noch nie ein Wort des Mitgefühls geäußert, gefragt, ob sie etwas tun können oder ob alles in Ordnung sei, geschweige denn, dass man sich dagegen engagieren müsse. Aber wo sie irgendwie sich selbst zu Unrecht behandelt fühlen, da ist der Aufschrei groß. Wahnsinn.

Ich bin es schon seit Jahren leid, Extremismus jeglicher Art unwidersprochen hinzunehmen. Wer meine Arbeit kennt, weiß, dass ich islamischen Extremismus kritisiere (und dafür einen Preis zahle), ebenso Extremismus in Deutschland.

Warum ich besonders hart mit Ostdeutschland ins Gericht gehe, kann ich benennen. Der Mist hat für mich als jemand, der offensichtlich Wurzeln in einem anderen Teil der Welt hat, 1990 begonnen. Mit der deutschen Einheit. Ich war damals 16 Jahre alt, damals begannen die Übergriffe, die Jagden auf Menschen, die fremd aussahen, die brennenden Häuser. Damals hörte ich zum ersten Mal jemanden zu mir sagen: „Pass auf, da solltest du mit deinem Aussehen besser nicht hinfahren.“ Es ging um Rostock. So etwas hatte ich zuvor noch nie gehört, es gab gar nicht die Notwendigkeit.

Solche Gewalt kam auch in Westdeutschland auf, erinnert sei an dieser Stelle an Solingen. Aber vor allem in Ostdeutschland. Meine ersten Hassbriefe bekam ich nicht mit der Erfindung des Internets. Ich erhielt sie Anfang der Neunzigerjahre, per Post, getippt, an „KAZIM, HOLLERN-TWIELENFLETH“. Sie kamen an. Es gab keine anderen Kazims in dem Dorf. Die Briefe kamen fast ausschließlich aus Ostdeutschland. Ich hatte es gewagt, als Schüler in diversen Zeitungen die Übergriffe zu kritisieren.

Ich habe trotzdem den Dialog gesucht, versucht zu verstehen, offen zu sein. Das wurde selten angenommen. Ich reiste durch den Osten, erlebte viel Gutes – wurde aber auch böse angestarrt, angespuckt, feindselig behandelt, in der Uckermark, in Magdeburg, in der Sächsischen Schweiz, auf Rügen. In einer Form, wie ich es im Westen nie erlebt habe. Trotzdem galt Kritik als „Nestbeschmutzung“. Man sollte bloß nicht sagen, der Osten sei besonders rechts, man müsse die Leute doch verstehen, ihre „Sorgen und Nöte“, den Bruch in ihren Biografien, die Schwierigkeiten des erzwungenen Systemwandels.

Ich kann all das verstehen. Und auch nachvollziehen, dass man unzufrieden ist, weil sich alles anders entwickelt hat, als man es erwartet hat. Und doch rechtfertigt das nicht, was ich erlebt habe und erlebe. Keine brennenden Flüchtlingsheime. Keine feindselige Behandlung von Menschen, nur weil sie anders aussehen und von woanders kommen. Und keine Wahl von Rechtsextremisten, deren Programm völkisches Gedankengut beinhaltet. Mit Erschrecken stelle ich fest, dass der Versuch, den Dialog zu suchen, die Hand zu reichen, nichts bringt. Es schlägt einem der blanke Hass entgegen, geifernde „Lügenpresse“-Schreie, „Hau ab!“- und „Verpiss dich“-Rufe. Man will überhaupt nicht verstehen, man will überhaupt nicht reden, man will überhaupt keinen Frieden.

Und so, wie sich die Muslime – ja, alle Muslime – mit dem Thema Extremismus auseinandersetzen müssen, werden nun eben auch die Ostdeutschen – ja, alle Ostdeutschen – nicht darum herumkommen, sich mit den Problemen in ihrer eigenen Mitte zu beschäftigen. Sie müssen die Ursachen finden, und sie müssen die Probleme lösen. Eine Rechtfertigung für all diese Scheiße gibt es nicht.

Ich für meinen Teil werde nicht mehr schweigen. Das habe ich am Sonntag gelernt.
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Re: Bundestagswahl 2017

Beitragvon Kunz » 27. Sep 2017, 01:24

Porz ist eine 1975 eingemeindete Nachbarstadt, die aus teilweise zusammengewachsenen dörflichen Siedlungen besteht. Durch die Entfernung von der Stadtmitte sind die Mieten dort günstiger als in den innenstädtischen Stadtteilen auf der linken Rheinseite, aber selbst Porz ist in Teilen schon von Gentrifizierung betroffen. Es gibt eine berüchtigte Großwohnsiedlung und besondere AfD-Hochburg http://www.ksta.de/koeln/finkenberg--hi ... lReferrer= , aber auch ausgedehnte Einfamilienhaussiedlungen - Schlafstadtbebauung, z.B. in Zündorf

Lindenthal ist bürgerlich, teils universitäres Milieu, für Kölner Verhältnisse sehr (ethnisch) deutsch. Und die Kaufkraft ist hoch, aber den Zusammenhang mit Bildung finde ich überzeugender. Kaufkraft zeigt sich am FDP-Anteil, der ist in Lindenthal satt. In der Innenstadt mit hohem Bildungsiveau und niedrigem AfD-Anteil ist weit weniger Kaufkraft.
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