Mega-Projekte

Hier hat so ziemlich alles Platz - aber keine politischen Themen und Debatten

Re: Mega-Projekte

Beitragvon yolcu » 9. Feb 2018, 22:20

Beslira hat geschrieben:
alanya_fuchs hat geschrieben:Türkei plant Baubeginn für Kanal neben Bosporus in 2018



Das müsste dieses Jahr sein... :D

Wenn die Pläne fertig sind und sie tatsächlich noch dieses Jahr anfangen haben sie bis zum 29. Oktober 2023 gute fünf Jahre Zeit und da kann man (in totalitären Staaten) schon mal einen Kanal ausbuddeln. Nur ob die vielen Hochbrücken oder Tunnel auch in der kurzen Zeit fertig werden, ist fraglich. Vielleicht hat die Türkei zwischendurch für längere Zeit keine Verbindung nach Europa...also nicht nur politisch...

Beslira

Bild
Komme nochmals auf den Kanalbau in Istanbul zurück. Ein tolles Projekt. Man muss sich nur mal vorstellen in Deutschland sollte ein Kanal von ca. 45 KM Länge - ca.140-150 meter Breite und 25 m Tiefe gebaut werden. Die Bauzeit würde kein Forumsmitglied bis zur Fertigstellung erleben können. Wenn man sich mal überlegt wie lange die jetzt schon am neuen Flughafen Berlin versuchen zu bauen oder in Stuttgart der neue Bahnhof. So etwas klappt in der TR in relativ wenigen Jahren. Man denke an den Tunnelbau, Flughafenbau. Jetzt wird fast gleichzeitig die weltgrösste Midspan-Hängebrücke von Gallipoli(europäischer Teil) auf den gegenüberliegenden asiatischen Bereich Nähe Cannakale gebaut. Gesamtlänge 4608 m, Breite 45,06m mit2x3 Spuren.
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon Chrissi » 9. Feb 2018, 22:38

Ja,
in der Türkei geht sowas weil die Arbeitsbedingungen "moderner Sklaverei" entsprechen.

Jetzt denke mal bitte darüber nach ob Deine schweizer Lobhudelei damit vereinbar / vergleichbar wäre... ;)
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon walteranamur » 9. Feb 2018, 23:39

Nun, der Unterschied liegt weniger in den Arbeitsbedingungen, als in der Umsetzungsform.

In der Türkei handelt es sich ausschließlich um Private Public Partnerships. Ein Projekt wird aufgesetzt, in einer öffentlichen Ausschreibung vergeben und die Finanzierung und Ausführung liegt beim Konsortium, welches den Zuschlag erhält. Im Gegenzug erhält es 20 oder 25 Jahre Nutzungsrecht und Einnahmen aller Gebühren. Darnach schreibt der Staat erneut aus und zwar meistbietend für die folgenden 15 oder 20 Jahre inklusive zu tätigenden Renovationsarbeiten.

In dieser Konstellation ist das Unternehmen natürlich interessiert, die Bauphase möglichst kurz zu halten, trotzdem gut zu bauen, denn man profitiert ja nur richtig, wenn da nicht Sperrungen und unnötige Reparaturen auftauchen. 3. Bospsorus-Brücke ein klassisches Beispiel. Zäher läuft es beim Flughafen, wo offenbar Finanzierungslücken bestehen. Das Risiko für den Staat: Kein Unternehmen macht sich an derartige Projekte ohne Staatsgarantien, was die Frequenzen betrifft. Da liegt das Risiko der PPP-Projekte. Zu sehen beim Avrasya Tünel , beim Marmara-Projekt, bei den verschiedenen Flughäfen. Da muss der Staat derzeit richtig draufzahlen.
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon Reyhan » 10. Feb 2018, 10:46

Da muss der Staat derzeit richtig draufzahlen.


Offensichtlich gibt es in solchen Fällen keinen Plan B oder Ausstiegsklauseln o.ä.. So langsam hätte man doch aus den vergangenen oder laufenden " Projekten" lernen können !

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Re: Mega-Projekte

Beitragvon Beslira » 10. Feb 2018, 11:51

Der Unterschied in den Baugeschwindigkeiten liegt nicht nur an den unterschiedlichen Finanzierungsarten sondern auch an den unterschiedlichen Bauvorschriften. Ich denke der Berliner Flughafen wäre in der Türkei schon seit 6 Jahren in Betrieb.

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Re: Mega-Projekte

Beitragvon walteranamur » 10. Feb 2018, 13:03

Möglich, die ganzen Vorschriften. Sicher aber war es in Berlin die Vielzahl der Bauherren und die immer wieder eingebrachten Projektänderungen oder -verbesserungen, welche immer wieder mal was Neues in die laufende Realisierung einbrachten. Das ist ja bis heute so: Man könnte alles abbrechen und neu bauen. Das ginge wahrscheinlich schneller :cherrysmilies113:

Klar, die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle, aber es ist ja auch in Deutschland nicht verboten, einen Flughafen im Dreischichtbetrieb zu bauen, glaube ich. Dies als Hinweis auf das Zeitfenster dieses Projekt.
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon alanya_fuchs » 10. Feb 2018, 13:06

walteranamur hat geschrieben: es ist ja auch in Deutschland nicht verboten, einen Flughafen im Dreischichtbetrieb zu bauen, glaube ich.


Das stimmt, nur im Dreischichtbetrieb wird wie viel Personal benötigt? Wo soll das herkommen und wohin damit nach dem Bau?
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon Jade » 10. Feb 2018, 15:02

alanya_fuchs hat geschrieben:Das stimmt, nur im Dreischichtbetrieb wird wie viel Personal benötigt? Wo soll das herkommen und wohin damit nach dem Bau?


Zeitarbeiter? Befristete Arbeitsverträge?
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon alanya_fuchs » 10. Feb 2018, 15:44

Jade hat geschrieben:Zeitarbeiter? Befristete Arbeitsverträge?


Die Fragezeichen sind berechtigt. Dann befasse dich mal mit dem Arbeitsmarkt. Wohlgemerkt keine Hilfskräfte, sondern Facharbeiter bei "nur" 2,5 Mio gemeldeten Arbeitsuchenden.
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon yolcu » 10. Feb 2018, 19:00

Chrissi hat geschrieben:Ja,
in der Türkei geht sowas weil die Arbeitsbedingungen "moderner Sklaverei" entsprechen.

Jetzt denke mal bitte darüber nach ob Deine schweizer Lobhudelei damit vereinbar / vergleichbar wäre... ;)


Grüezi Chrissi. Ich möchte mal gerne wissen wo Dein Hass auf die Schweizer herkommt und was das jetzt auch noch mit der Türkei zu tun hat. Anscheinend bin ich jetzt auch noch für Dich ein rotes Tuch nur weil ich mit Schweizern anscheinend andere(überwiegend gute) Erfahrungen gemacht habe wird mir von Dir Lobhudelei unterstellt.
Zudem sind die regulären Arbeitsverhältnisse in der Tr nicht mit moderner Sklaverei zu vergleichen.
Zum Weiteren werden bei diesen Projekten auch ausländische Firmen beauftragt.
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon Chrissi » 10. Feb 2018, 19:08

Wenn eine Visa-Liberalisierung zustande käme würden türkische Fachkräfte Mega-Projekte in D realisieren...

Sicherlich auch zu problematischen Bedingungen aber günstiger bei türkischem Mindestlohn 1400 TL. ;)

Zum Arbeitsmarkt in D siehe:

www.youtube.com Video From : www.youtube.com
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon yolcu » 10. Feb 2018, 19:43

Also würde ein Arbeitnehmer (auch ein türkischer Arbeitnehmer) der nach deutschem Recht in D arbeitet bei einem Mindestlohn von ca. 9,5 Euro/Std. im Monat bei 21 Arbeitstagen und einem 8 Stunden Tag brutto 1595 Euro verdienen. Nach einem 25%igem Abschlag von Sozial VS usw. bleiben Netto 1197 Euro.
Ein türkischer Arbeitnehmer bekommt als Mindestlohn derzeit 1404 TL netto.

Wenn wir das mal vergleichen kann sich der in Arbeitnehmer in D genauso wenig oder mehr Leisten mit dem Mindestlohn als ein Arbeitnehmer in der TR.mit seinem Mindestlohn.
Es ist beides zu wenig zum normalem Leben sowohl in der TR wie in D.

Es hat alles 2 Seiten die man erst betrachten sollte.
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon Reyhan » 10. Feb 2018, 19:56

Wer ausser mir noch die "Beiträge zur Schweiz" sucht : unter Bundestagswahlkampf 2017 zu finden !

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Re: Mega-Projekte

Beitragvon yolcu » 10. Feb 2018, 20:16

Beslira hat geschrieben:Der Unterschied in den Baugeschwindigkeiten liegt nicht nur an den unterschiedlichen Finanzierungsarten sondern auch an den unterschiedlichen Bauvorschriften. Ich denke der Berliner Flughafen wäre in der Türkei schon seit 6 Jahren in Betrieb.

Beslira


Bauen fängt mit Baugenehmigungsverfahren in D an die anschliessend ausgeschrieben mögliche(Bewerber) Bauunternehmen finden soll. Deren Erstellungsverfahren von Seiten der Auftraggeber zeitlich eingeschränkt werden und von Seiten des Unternehmers deshalb genauestens kalkuliert werden müssen. Nun kommen Umwelt und Tierschützer bei derlei Projekten aus der Deckung heraus(verhindern teilweise Bauverfahren über Jahre) oder Bauveränderungeingaben von Seiten der Behörden werden abgegeben.
Sogar Kleinigkeiten die z.Bsp. der Brandschutzbeauftragte nachträglich feststellt(Fehlt ein Platz für einen Feuerlöscher) können zu Planungsänderungen und Zeitverzögerungen führen. Einsprucheingaben durch Unterschriftensammlungen von Anrainern des Projektes können das Projekt auch erst mal wieder lahm legen. Prozesse die geführt werden wegen Nichtigkeiten Schadenersatzforderungen verhindern häufig auch den Baubetrieb.
So mancher Bauunternehmer wird dadurch in die Knie gehen und Konkurs anmelden so wie wir gerade im Flughafenprojekt Berlin gesehen haben. Über Vorteilsleistungen jeglicher Art zugunsten irgendwelcher Behörden möchte ich mich hier nicht auslassen.
Dies ist Projektbau in D. Wenn jeder was zu Kack..............hat und in der Lage ist dadurch Bauverzögerungs und Planungsveränderungen herbei zu führen, brauchen wir uns in D nicht wundern das da nix läuft.
Das ist auch ein politisches Versagen unserer demokratischen?? Parteien die lieber teure Gutachten einholen um sich um die Verantwortung einer pragmatischen Entscheidung zu drücken.
Dies alles ist im politischem Alltag in der TR wenig ausgeprägt und man kommt unverschämt schnell zu pragmatischen Entscheidungen und deren Umsetzung wie wir erleben.
Wer nun was besser findet überlasse ich der persönlichen Einstellung des Lesers. :roll:
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Re: Mega-Projekte

Beitragvon santiago » 10. Feb 2018, 20:20

yolcu hat geschrieben:
Grüezi Chrissi. Ich möchte mal gerne wissen wo Dein Hass auf die Schweizer herkommt und was das jetzt auch noch mit der Türkei zu tun hat.


Über dem muss man als Schweizer stehen. Alle dürfen die Meinung äussern.

Kürzlich auch Macron am WEF in Davos.
Es kam wieder der abgedroschene Spruch der Schweizerischen Rosinen-Pickerei.
Dazu habe ich in einem auslänischen Kommentar gelesen:
EU will Rosine picken. Die Rosine wehrt sich aber und das gefällt der EU nicht.

Man kann sich auch mal die Zahlen der Importe und Exporte Schweiz - EU anschauen.
Die Schweiz importiert aus der EU weit aus mehr, als sie in die EU exportiert.
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