Wirtschaft

Hier hat so ziemlich alles Platz - aber keine politischen Themen und Debatten

Re: Wirtschaft

Beitragvon Ruth » 14. Nov 2016, 23:47

Deine Frage: Woher kommt das Geld?

Vorerst u.a. von den Enteignungen, nehme ich an.

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Re: Wirtschaft

Beitragvon santiago » 15. Nov 2016, 00:38

walteranamur hat geschrieben:
Bleibt die Frage: Woher kommt eigentlich angesichts von beachtlichem Außenhandelsdefizit, galoppierender Inflation, und bei schrumpfender Wirtschaftsleistung das Geld in der Türkei? Ausweitung der Geldmenge ohne Deckung? (Gut, die EZB macht es auch nicht viel anders...)


Damit ist diese Frage ja beantwortet. Nicht nur die EZB und die amerikanische Notenbank druckt Geld und sicher läuft es auch genau gleich in der Türkei.
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Re: Wirtschaft

Beitragvon walteranamur » 15. Nov 2016, 10:43

Ja, die Enteignungen bringen alleine auf dem Immobiliensektor einen Wert von 12 Mia TL,hier nachzulesen.

Allerdings gibt es offenbar noch ein ganz anderes Problem - und das ist dann ein Fall für die Haushaltsbuchhaltung.

Bis Ende September sind Kredite in Höhe von 59 Mia. TL geplatzt. Davon ein großer Teil Privatkredite. Zunahme um 25,9%. Dies die Auskunft der Bankenvereinigung. Gefunden im Cumhuriyet
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Re: Wirtschaft

Beitragvon wil » 15. Nov 2016, 10:54

Arbeitslosenquote für August auf 11.3 % gestiegen.
Besonders erschrekend nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit bei 15 - 24 Jaehrigen :
Einer von Fünf ist Arbeitslos, sprich 19.9 %.
Mehr dazu hier
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Re: Wirtschaft:Arbeitslosigkeit massiv gestiegen

Beitragvon walteranamur » 16. Nov 2016, 13:19

Hallo wil

Hier habe ich die gesamte Untersuchung. Es wird darauf hingewiesen, dass das statistische Amt für seine Vergleiche die Sozialversicherten Arbeitsverhältnisse als Grundlage nimmt. Wer da nicht drin ist oder keine Leistungen bezieht, fällt aus der Statistik raus.

In dieser Untersuchung kommen die Autoren zum Schluss, dass die erweiterte Betrachtungsweise zu einer doppelt so hohen Arbeitslosigkeit führt, wie vom Amt dargestellt, nämlich über 6,5 Mio, davon eine Zunahme von 435 000 alleine in diesem Jahr. Der Trend ist jedoch nicht mit dem schlechten Tourismusjahr zu erklären. Es bricht beispielsweise die Landwirtschaft weg.

Wie du schon erwähnt hast, trifft es vor allem die junge arbeitsfähige Generation und daneben in erster Linie die Frauen. Ihr Anteil an der letzjährigen Zunahme beträgt über 320 000 neue Arbeitslose.

Der ganze Beitrag mit vielen Tabellen (Achtung die Schriftdarstellung in der Tabelle ist verwirrend) Enger Zeichensatz verwandelt n in r . Es heißt also nicht Tarim in den Legenden sondern Tanim (=Definition). (dışı=erweiter))

Hier zum Report

..und Dollar bricht Rekord:

DOLAR 3,3201 % 0,97
EURO 3,5525 % 0,67
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Re: Wirtschaft

Beitragvon wil » 17. Nov 2016, 10:00

Hallo Walter ,
ja die Dunkelziffer sprich tatsaechliche Zahl der Arbeitslosen wird deutlich höher sein als die vom Amt angegebenen Zahlen .
Stichwort "Sozialversicherten Arbeitsverhältnisse" :

Die Einlösung des Wahlversprechens hat sich meiner Ansicht nicht positiv auf die Arbeitslosenzahl ausgewirkt , eher das Gegenteil .

Wenn die Gewerkschaften sich nun mit erneuter Forderung nach Erhöhung des Mindestlohnes durchsetzen , dann "kostet" ein legaler Arbeiter den Arbeitgeber ca 3000 TL im Monat .
Ob das die kleinen Betriebe stemmen können ?

gruss wil
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Re: Wirtschaft

Beitragvon walteranamur » 17. Nov 2016, 22:21

Laut Hürriyet soll gestern die Merkez Bankasi mit 700 Mio Dollar am Markt interveniert haben, um den Höhenflug des Dollars zu bremsen. (Wenn diese Summe zutrifft, dann hieße das: Es wird aus allen Rohren geschossen).

Trotzdem steht er heute abend auf 3.37. Man muss sich das im zeitlichen Überblick anschauen:
November 2007 1 Dollar 1.19 TL
November 2014 1 Dollar 2.28 TL
November 2016 1 Dollar 3.37 TL
...und jetzt umlegen auf Löhne und Renten. Daraus ergibt sich der reelle Kaufkraftverlust für die Türken, auch wenn wir als Europäer von einer "preiswerten" Türkei profitieren.

Im Weiteren wird ausländischen Investoren neben der Staatsbürgerschaft neu auch Zinsfreiheit auf 10 Jahre versprochen.

Hört man daneben die jüngste Rede Erdogans vor dem Pakistanischen Parlament: "Der IS wird vom Westen unterstützt, welcher die islamische Welt angreifen will", dann kann man sich ausrechnen, dass die Maßnahmen zur Stabilisierung der TL nicht besonders erfolgreich sein können. Denn was nützen 10 jahre Zinsfreiheit, wenn die Sachgüter 2 Jahre später wegen "Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation (=Europa) beschlagnahmt werden :cherrysmilies113:

Hintergrund der Lira-Schwäche ist neben den inländischen Problemen die Erwartung, dass der US-Leitzins im Dezember angehoben wird.
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Re: Wirtschaft

Beitragvon Reyhan » 18. Nov 2016, 14:02

..die eine Seite :

Wirtschaftswunder der Türkei beunruhigt die westlichen Staaten
Quelle TRT

..die andere Seite :
Wirtschaftlich backt Erdogan kleine Brötchen
Politisch ist der Westen auf die Türkei weiter angewiesen. Ökonomisch sieht die Lage ganz anders aus. Die Türkei ist vor allem von Deutschland abhängig.


Quelle FAZ

Vor allem die 2. Seite des Artikels lohnt sich zu lesen.

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"Unterbrich niemals deinen Gegner wenn er dabei ist, einen Fehler zu machen.".
Napoleon Bonaparte
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Re: Wirtschaft

Beitragvon wil » 19. Nov 2016, 11:00

Aufgrund des Sinkfluges der TL werden nun kraeftige Preiserhöhungen in den Medien angekündigt .
Autos , Reifen , Tabletten , Elektronik etc etc .
Dann auch nicht gerade unbedeutend - Megaprojekte wie neue Bosporusbrücke , die Maut ist auf Dollar - Basis kalkuliert . Demnach wohl auch Anstieg .
Und der Staat hat Ausfall - Garantien bezüglich der Einnahmen übernommen , ebenfalls in Dollar .
gruss wil
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Re: Wirtschaft

Beitragvon wil » 24. Nov 2016, 08:02

Ohne Worte :
DOLAR 3,4041
EURO 3,5911
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Re: Wirtschaft

Beitragvon walteranamur » 24. Nov 2016, 11:21

..un daneben folgende Realität. Ein Trend, den ich bei den Orangen 2010-2012 noch selbst miterlebt habe, nun trifft es auch Nar. Die Bauern in Mugla sehen sich mit der Tatsache konfrontiert, dass die Kilopreise extrem nach unten rutschen. So mache es keinen Sinn mehr, sagen sie und hauen die Bäume um.

In Anamur wurden ja in unserem Dorf vor allem Erdbeeren angebaut. Inzwischen beginnen die Leute seit 2013 Bananenplantagen in die Berghänge zu bauen...

aus haberdar gazetesi, welche wieder läuft.
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Re: Wirtschaft

Beitragvon Artemis » 24. Nov 2016, 15:35

Vor ein paar Jahren waren die Granataepfel sehr teuer. Dann wurden die Bauer angeregt Granataepfelbaeume anzubauen und die Propaganda pries dies Früchte als sehr gesund an. Das gleiche ist mit Mandarinen passiert, die kosten seit Jahren mindestens 1 TL.
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Re: Wirtschaft

Beitragvon walteranamur » 24. Nov 2016, 20:31

Das mit dem Weiterverarbeiten ist so eine Sache. Da muss ein richtig Großer einsteigen, denn die Voraussetzungen, diesbezüglich tätig zu werden, sind sowas von schikanös. Da geht den Kleinen die Luft aus, bevor sie die erste Produktion am Laufen haben.

Nur ein Beispiel. In Gazipasa ist eine Olivenpresse, bestens bekannt und lange Jahre ein Monopol. Der Besitzer dort muss sehr gute Beziehungen haben. Zweimal schon haben in Anamur private eine solche Anlage errichtet. Die erste 2010, hochmodern. Die wurde schlicht und ergreifend ausgehungert, indem Gazipasa plötzlich 40% mehr für Oliven bezahlte. Knappe Saison und dann war Schluss. Die Anlage ging dann meines Wissens zu einem Schrottpreis nach Gazipasa. 2012 Dasselbe Schauspiel.

Dieses Jahr nun der dritte Versuch. Mal schauen, ob das gut geht.

Im Grunde genommen ist es ja absolut sinnvoll, dass eben die Wertschöpfungskette genutzt wird. Gilt auch für die Orangen. Wenn sie schon nicht verkauft werden, dann doch wenigstens Konzentrat. Wohin gehen sie denn, unsere Orangen? Nach Mersin/Adana in die Presse.....
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Re: Wirtschaft

Beitragvon Artemis » 25. Nov 2016, 08:25

@Ruhrie, wer kennt denn schon in Deutschland Granataepfel? Meine Eltern konnten nichts damit anfangen, bis ich ihnen erklaert hatte, was man davon essen konnte. Wegen der Kerne landeten die Granataepfel in den Müll. Selbst die Kassiererin im Supermarkt fragte mich damals, wie man die Dinger schaelt und isst. Das war allerdings vor über 20 Jahren. Auf dem Markt in Sterkrade habe ich keine gesehen.

Grüsse aus der Diaspora,
Artemis
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Re: Wirtschaft

Beitragvon walteranamur » 25. Nov 2016, 13:04

Gespannt bin ich, wie Erdogan die folgende Problematik zu lösen gedenkt:

Die meisten Mega-Projekte Erdogans laufen als öffentlich-private Projekte (ÖPP oder PPPmit dem System Betreibermodell inklusive Kostenübernahme für das Projekt) und zwar auf Dollarbasis. Betrachtet man die Entwicklung der TL in den letzten zwei Jahren, so wären also währungsbedingte Preissteigerungen von ca. 30%/pro Projekt verbunden.

Diese Projekte sind für den Privaten Partner mit konkreten Auslastungsgarantien verbunden. Werden diese unterschritten, muss der Staat Geld zuschießen und zwar in Dollar. Krasse Situation derzeit mit der Marmaraya-Brücke, wo offenbar derzeit pro Monat über 20 Mio Dollar durch den Staat eingeschossen werden müssen.

Ähnlich bei den privatisierten Brücken. Die Tarife sind in den Verträgen auf Dollarbasis berechnet. Das bedeutet, dass die Nutzer immer mehr TLs für ihre Passagen hinblättern müssen. So werden in nächster Zeit immer höhere Kosten auf die Nutzer, respektive Bevölkerung zukommen, denn sie muss diese zugesagten Verträge finanzieren - der Staat holt sich dieses Geld. Eine Kettenreaktion.

Erdogan weiß, was da auf ihn zukommt. Deswegen setzt er auch die Notenbank mit seinen Vorstellungen von Zinsgestaltung so unter Druck. Er sagt nämlich: "Letztlich kriege ich die Faust des Volkes ins Gesicht..." dies im Zusammenhang mit Zinserhöhungen.
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