Streit um die Hinterbliebenenrente

Unglaubliches oder schwer zu glauben...

Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Cinar » 21. Feb 2017, 22:45

Ein junger Berufssoldat aus Izmir ist am 29.Januar beim Kampf um El Bab gefallen. Ayhan Elmacı wurde 29 Jahre alt, er war nicht verheiratet und hatte keine Kinder. Nun gibt es Streit, wer Anspruch auf die Entschädigung (ca. 240 000 TL) und die monatlichen 3 200 bis 5000 TL Hinterbliebenenrente erheben kann.

Die Gelder stehen auch den Eltern und Geschwistern zu, aber:

Die leiblichen Eltern von Ayhan ließen sich scheiden, als der Junge 3 Jahre alt war. Ayhan kam zur Großmutter väterlicherseits, die ihn aufzog und bei der er bis zum Eintritt ins Militär mit 25 Jahren wohnte.

Die leibliche Mutter Cennet Özgüleç heiratete wieder und hatte aus der 2. Ehe 3 Kinder. Ihren Sohn Ayhan sah sie nach der Scheidung vor 26 Jahren nie wieder.

Der Vater Salim Elmacı heirate ebenfalls wieder und hatte mit der Stiefmutter Zerrin Yılmaz 2 weitere Kinder. Als Ayhan eingeschult werden sollte, brauchte er Papiere und der Vater ließ kurzerhand seine 2. Ehefrau Zerrin als Mutter eintragen. Bei dieser Eintragung blieb es auch, obwohl Ayhan wusste, dass die Frau in den Papieren nicht seine leibliche Mutter war. Vor 4 Jahren ließ Vater Salim sich auch von der 2. Ehefrau scheiden.

Nun ist sie aber formal rechtlich als Mutter eingetragen und hätte demnach Anspruch auf einen Teil der Entschädigung und der Rente, obwohl sie nie für den Jungen gesorgt hatte, der war ja bei der Oma. Der leibliche Vater versucht nun nachträglich den Anteil seiner ersten Frau zukommen zu lassen, weil die noch eher einen Anspruch hätte.

Die Oma wird wohl leer ausgehen.

(Quelle)
(Anm.: In dem Artikel wird als Familienname mal Elmacı und mal Elmali geschrieben, die haben wohl auch Probleme gehabt die Familienverhältnisse zu begreifen.)

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Re: Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Chrissi » 22. Feb 2017, 01:10

Hallo,
interessanter Artikel,
aber da sehe keine "Hinterbliebenden" also Frau, Kinder.... wo Rente beziehen könnten .

Irgendwie merkwürdiges Thema, egal.

Ich kann mir auch nich vorstellen das 3.200-5.000 TL monatlich Rente gezahlt würde...
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Re: Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Sun » 22. Feb 2017, 10:23

Frage: Gelten Mütter/Väter/ Geschwister in der TR als Hinterbliebene-Rentenberechtigte ?
Wenn das auch in der EU gelten würde, wären alle Pensionssysteme ad hoc pleite.
Zuletzt geändert von Sun am 24. Feb 2017, 10:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Cinar » 22. Feb 2017, 13:42

Wir können uns als Deutsche so manches in diesem Land nicht oder nur schwer vorstellen, was aber nicht heißt, dass es das hier nicht gibt.

Die Abfindungssumme und Rente für Gefallene (Şehit) in der zitierten Höhe gibt es seit August 2016, die Zahlen siehst du auch hier noch einmal. Ob monatlich 3200 TL oder 5000 TL hängt von der Dauer der Beschäftigung ab, also wie lange der Gefallene als Soldat, Polizist oder so tätig war.

In Deutschland muss man eine Geburt innerhalb einer Woche beim Standesamt anzeigen (siehe hier). In der Türkei wird das noch immer wesentlich lockerer gehandhabt. So werden viele Geburten aus dem November und Dezember erst am 3. Januar registriert, damit z.B. der Sohn erst einen Jahrgang später zum Militär muss und nicht der jüngste seines Jahrganges ist. (Warum nicht am 1. Januar? Da ist Feiertag und die Ämter sind zu.)

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Re: Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Artemis » 22. Feb 2017, 15:57

Hallo Çinar, es ist nicht nur wegen dem Militaerdienst, dass die November/Dezemberkinder erst im Januar den neuen Jahres angemeldet werden. Der zweite Grund ist auch die Einschulung. In der Türkei werden die Kinder eingeschult, die in dem Jahr das siebte Lebensjahr vollenden, also das Geburtsdatum in dem Jahr zwischen 1. Januar und 31. Dezember. Die November/Dezemberkinder waeren dann wieder die jüngsten in der Klasse und waeren evtl. geistig und körperlich den aelteren Mitschülern/innen nicht gewachsen.

Gruss,
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Re: Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Sun » 22. Feb 2017, 16:19

Bitte nochmals um Erklärung- WER/ welche Familienangehörigen bekommen in der TR Hinterbliebenenpension?
Eltern- das ist so befremdend - gilt die "Pensionsregelung" nur für Polizisten/Militär / Staatsangestellte oder auch für normale Angestellte?
Zuletzt geändert von Sun am 24. Feb 2017, 10:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Cinar » 22. Feb 2017, 23:35

Es geht nur und ausschließlich um eine Rente, die gefallene Soldaten oder Staatsbedienstete wie Polizisten etc. bekommen können, die im Dienst durch Gewalt ums Leben kommen. Das wichtige Wort ist "Şehit" oder in der Mehrzahl "Şehitler" und bedeutet Gefallener oder auch Märtyrer. Das hat nichts mit der normalen Witwen- oder Waisenrente eines Arbeitnehmers zu tun.

Kein Mensch würde auf die Idee kommen Söhne zu zeugen und sie zum Militär zu schicken, damit sie dort zu Tode kommen, bloß um im Alter eine dicke Rente zu kassieren. Aber es ist leider in den letzten beiden Jahren erstmals seit langer Zeit in der Türkei wieder häufiger vorgekommen, dass Söhne vom Militärdienst im Sarg nach Hause kommen. Eine hohe finanzielle Entschädigung auch für die Eltern lindert zwar nicht das Leid, aber zumindest die finanziellen Probleme, die durch den Wegfall eines potentiellen Ernährers im Alter entstehen könnten.

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Re: Streit um die Hinterbliebenenrente

Beitragvon Sun » 23. Feb 2017, 10:06

Danke für d.Info und Erklärung ..... Cinar! Das ist natürlich eine andere-traurige Sache...mein Kommentar war nicht zynisch gemeint sondern resultiert aus Unkenntnis der Lage.
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