Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

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Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon Ugi29 » 12. Aug 2018, 16:01

Hallo,

die Frage wurde ja bereits oben gestellt. Ich rede bewusst von Assimilation, nicht von Integration. Mir ist aufgefallen, dass die Assimilationsbereitschaft bei bestimmten Ethnien viel einfacher ist (z.B. Vietnamesen), als zum Beispiel bei Türken. Letztens hat mir ein Schulkumpel mitgeteilt, dass unser chinesischer Freund eine Tochter bekommen hat. Sie heißt Sophie. Seine Frau ist Philippinin. Der andere Kumpel hat in Mathematik promoviert, seine Frau kommt aus dem Schwabenland und ist Deutsch. Seine chinesische Mutter war, wie ich zumindest gehört habe, stolz wie Oskar, weil ihre Schwiegertochter Deutsch ist. In irgendeiner Studie wurde auch mal veröffentlicht, dass 75% aller vietnamesischen Kinder Abitur machen in Deutschland.

Woher kommen diese extremen Unterschiede in der Assimilationsbereitschaft und auch im Bildungserfolg? Ich mein, die Fernostasiaten, die damals nach Deutschland eingewandert sind, waren ja auch arm und "bildungsfern" (Ich hasse dieses Wort, btw).

Ich möchte erwähnen, dass ich auch kein Deut besser bin, bin selbst ein sogenannter "Deutschtürke", hier geboren und sozialisiert. Habe noch keine Kinder, aber ich könnte mir beim besten Willen auch nicht vorstellen, dass wenn ich Kinder hätte, diesen auch einen typisch deutschklingenden Vornamen geben würde. Liegt das daran, dass wir einfach zu stolz sind?

Grüße,
Ugi
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Re: Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon Reyhan » 12. Aug 2018, 18:13

Hallo ,
ich stelle mal eine Gegenfrage (auch wenn man das eigentlich nicht macht) warum sollte sich ein Türke assimilieren ?

Letztens hat mir ein Schulkumpel mitgeteilt, dass unser chinesischer Freund eine Tochter bekommen hat. Sie heißt Sophie. Seine Frau ist Philippinin. Der andere Kumpel hat in Mathematik promoviert, seine Frau kommt aus dem Schwabenland und ist Deutsch. Seine chinesische Mutter war, wie ich zumindest gehört habe, stolz wie Oskar, weil ihre Schwiegertochter Deutsch ist.

Ich sehe auch im Zitat z.B. keine Assimilation.

Und was bedeutet :
bin selbst ein sogenannter "Deutschtürke", hier geboren und sozialisiert.

Türkischer Pass, deutscher Pass, Doppelpass ?

Habe noch keine Kinder, aber ich könnte mir beim besten Willen auch nicht vorstellen, dass wenn ich Kinder hätte, diesen auch einen typisch deutschklingenden Vornamen geben würde.

Ach je ! Warum ? Gut, bei Hubert oder Wilhelmine hätte ich auch ein Problem....aber ansonsten ?

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Re: Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon Artemis » 12. Aug 2018, 19:53

@Reyhan, alte Namen kommen in Deutschland wieder in Mode. Der Enkel einer Freundin heisst Henry.
Ich wünsche noch einen schönen Sonntagabend.

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Re: Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon alanya_fuchs » 12. Aug 2018, 19:55

Ugi29 hat geschrieben:Ich möchte erwähnen, dass ich auch kein Deut besser bin, bin selbst ein sogenannter "Deutschtürke", hier geboren und sozialisiert. Liegt das daran, dass wir einfach zu stolz sind?


Stolz auf was? Du bist in Deutschland geboren und hast nur einen türkischen Bezug durch Familie, schreibst aber von "wir", also Türken. Warum grenzt Du Dich selbst aus? Auf was bist Du als "Deutschtürke" also so stolz? Das ist übrigens Deine Bezeichnung, für mich bist Du Deutscher. Etwas weniger Stolz und dafür etwas mehr Selbstbewusstsein würde Dir gut tun.

Meine Vorfahren waren übrigens vertriebene Hugenotten aus Südfrankreich. Meinen Familiennamen gibt es in Frankreich heute noch so oft wie Ünal in der Türkei. Ich käme allerdings nie auf die Idee mich als Deutschfranzose zu bezeichnen.

Falls Dir für Deine Kinder keine Namen einfallen, deutsche Kinder heißen auch Kevin und Chantal. :cherrysmilies113:
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Re: Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon alanya_fuchs » 12. Aug 2018, 19:58

Artemis hat geschrieben:alte Namen kommen in Deutschland wieder in Mode. Der Enkel einer Freundin heisst Henry.


Jupp, Henry ist aber auch sowas von deutsch .... aber Du hast Dich auf alte Namen bezogen.

Henry ist unter anderem die englische Form des althochdeutscher Vornamens Heinrich. Die namensgebenden Worte aus dem Althochdeutschen sind heima (Heimat) und rihhi (reich, mächtig). Zahlreiche Herrscher, Herzöge und Mitglieder adliger Familien tragen den Namen bis heute.
https://www.elterngeld.de/henry/
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Re: Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon walteranamur » 12. Aug 2018, 20:08

Hallo Ugi29

Vorerst willkommen im Forum.

Ich könnte mir vorstellen, dass Assimilation auch davon abhängt, wie groß denn der Druck ist, sich assimilieren zu müssen. Eine Rolle spielt beispielsweise, wieviele Bekannte aus meinem ursprünglichen Heimatland an meinem neuen Lebensmittelpunkt leben. Wenn du beispielsweise in Alanya eine gut aufgestellte Community und deutsche Infrastruktur bis hin zum Fleischer vorfindest, kannst du eigentlich dein früheres Leben im gewohnten Rahmen weiter leben - einfach mit etwas mehr Sonne und südländischem Flair. Mehr brauchst du nicht, es sei denn, du willst dir einen türkischen Bekanntenkreis mit allem Drum und Dran aufbauen.

In Deutschland ist es meiner Meinung nach für Türken vergleichbar einfach, das gewohnte kulturelle Leben fortzuführen, vor allem in den Städten. Die Infrastrukturen und kulturellen Einrichtungen geben das her.

Vielleicht noch zum gewählten Begriff: Assimilation. Das würde ja heißen, eine andere Kultur auf- und anzunehmen und die eigene Kultur aufzugeben. Meinst du das auch so? Falls ja, muss das sein und weshalb?
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Re: Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon Ugi29 » 13. Aug 2018, 03:42

walteranamur hat geschrieben:Hallo Ugi29

Vorerst willkommen im Forum.

Ich könnte mir vorstellen, dass Assimilation auch davon abhängt, wie groß denn der Druck ist, sich assimilieren zu müssen. Eine Rolle spielt beispielsweise, wieviele Bekannte aus meinem ursprünglichen Heimatland an meinem neuen Lebensmittelpunkt leben. Wenn du beispielsweise in Alanya eine gut aufgestellte Community und deutsche Infrastruktur bis hin zum Fleischer vorfindest, kannst du eigentlich dein früheres Leben im gewohnten Rahmen weiter leben - einfach mit etwas mehr Sonne und südländischem Flair. Mehr brauchst du nicht, es sei denn, du willst dir einen türkischen Bekanntenkreis mit allem Drum und Dran aufbauen.

In Deutschland ist es meiner Meinung nach für Türken vergleichbar einfach, das gewohnte kulturelle Leben fortzuführen, vor allem in den Städten. Die Infrastrukturen und kulturellen Einrichtungen geben das her.

Vielleicht noch zum gewählten Begriff: Assimilation. Das würde ja heißen, eine andere Kultur auf- und anzunehmen und die eigene Kultur aufzugeben. Meinst du das auch so? Falls ja, muss das sein und weshalb?


Genau diesen Assimilationsbegriff meine ich, ja. Mir ist halt selber nur aufgefallen, dass die Assimilationsbereitschaft von Türken viel weniger ausgeprägt ist im Vergleich zu anderen Einwanderergruppen. Und auch im Bildungserfolg lässt sich das sehen. Ich finde das interessant, viele Vietnamen, die ich kennenlernen durfte über die Jahre, haben da halt viel weniger Probleme mit. Eine ehemalige Freundin von mir, Thuy-Vi, ist mit einem deutschen Mann verheiratet, die haben zwei Kinder, Manuel und Emilia. Das Beispiel mit meinem Schulfreund, der Chinese ist und seine Frau Philippinin, habe ich ja bereits angeführt, auch das Beispiel mit meinem Kumpel, der promovierter Mathematiker und seine Frau klassisch Deutsch. Mein Vater arbeitet als Schneider und ihm ist das auch schon aufgefallen. Mittlerweile geht er bei fernostasiatischen Kunden gar nicht mehr davon aus, dass sie einen asiatischen Namen haben :D

Das ist ja keine Kritik. Mich wundert nur diese extreme Anpassungsbereitschaft bei den Fernostasiaten. Es gibt auf Youtube einen tollen Block einer Amerikanerin, Hayley Alexis, sie wohnt mittlerweile in München, hat einen deutschen Freund und sieht sich selbst als Deutsche, und das gerade mal nach 2 Jahren Aufenthalt hier.

Natürlich gibt es keinen Zwang, sich assimilieren zu müssen. Allerdings ist es doch komisch. Diese ganzen Ruhrpottpolen, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Deutschland gekommen sind, haben sich alle ausnahmslos assimiliert. Man hört es vielleicht manchmal noch am Nachnamen raus, wie Wieczorek, Marczincek oder so ähnlich.
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Re: Warum tun sich Türken mit der Assimilation so schwer?

Beitragvon Beslira » 13. Aug 2018, 12:35

Warum sich die Türken in Deutschland so schwer tun mit der Assimilation, liegt unter Anderem auch an "ihrem" Präsidenten. Bevor er den Begriff genannt hatte wusste allerdings kaum ein Türke in Deutschland was das ist. Die meisten Türken leben in Deutschland eh in türkischen Gemeinden mit eigenen Teestuben und Restaurants.

Vor genau zehn Jahren!

Erdogan warnt Deutschtürken vor Assimilation

„Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte er vor etwa 20.000 meist türkischen Zuhörern, die aus ganz Deutschland, aber auch aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden angereist waren.


Quelle

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