Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

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Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Ruth » 18. Feb 2018, 15:46

Anfangs Februar hat http://www.turkiye.gov.tr eine neue Seite online geschaltet. Dort kann man mithilfe seiner Staatszugehörigkeits-Nummer seine Abstammung rekonstruieren. Die Genealogie-Seite wurde so stark frequentert, dass sie schon bald zusammenbrach, mittlerweile aber wieder funktioniert.

Nun zeigt sich, dass zahlreiche türkische Bürger grosses Interesse haben, aufgrund von ihren europäischen Wurzeln, z.B. bulgarischen, griechischen, rumänischen etc. eine zweite Staatszugehörigkeit zu erlangen. Jedenfalls wurden an die Justiz-, Innen- und Aussenministerien wie auch an die jeweiligen Konsulate und Botschaften entsprechende Anfragen gestellt.

Ob das so einfach ist, an einen zweiten "Pass" zu gelangen, wage ich allerdings zu bezweifeln :?

http://www.hurriyetdailynews.com/turkey ... ies-127488

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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Jade » 18. Feb 2018, 16:55

Eine Freundin arbeitet in einem Bildungszentrum in Heilbronn und verwaltet/koordiniert Integrationskurse. Sie berichtete mir bereits im Herbst l.J., dass Personen, in der Türkei geboren, nun mit Staatsangehörigkeit Bulgarien, sich anmeldeten. Ihre Namen änderten sie etwas ab, damit sie nicht allzu türkisch klingen. Scheinbar funktioniert es also.
Der Drang in die EU aus wirtschaftlichen Gründen ist riesig.
LG Jade

edit: Wie genau sieht eine Staatsangehörigkeits-Nummer aus? Wie wird sie vergeben?
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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Reyhan » 18. Feb 2018, 17:39

Mein Schwager hat hat mir vorgestern solch einen abfotografierten Auszug als pdf geschickt.Ich hatte aber noch keine Gelegenheit mir diesen genauer und in Ruhe anzuschauen.

Jade : die Nummer kann eigentlich nur die des T.C. Kimlik im Nüfus sein. Die wird von Geburt an bei der Anmeldung vergeben und ist unveränderlich.

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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Jade » 18. Feb 2018, 19:30

Danke Reyhan.
Ich überlegte, inwieweit zurück der Stammbaum in der Nummer verankert sei ...
gebe aber zu, dass ich da geschichtlich nicht fit bin, denn soeben habe ich beim googeln folgendes entdeckt ... lese hier unter Abschnitt "Bulgaren türkischer Herkunft in Deutschland" im Artikel Bulgaren in Deutschland - Wikipedia
Jedoch scheinen die von Ruth erwähnten Türken Abkommen der sogenannten Balkantürken zu sein, die vorerst zurück in die Türkei siedelten, nun sich ihrer Herkunft besinnen und in die EU möchten.
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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Reyhan » 18. Feb 2018, 19:52

...mir wurde erzählt bis in die 1900 er Jahre. Da ich aber nicht alles glaube was mir erzählt wird, werde ich meinen Mann übermorgen bitten, mal selbst solchen einen Auszug anzufordern. Ich werde berichten.

edoch scheinen die von Ruth erwähnten Türken Abkommen der sogenannten Balkantürken zu sein, die vorerst zurück in die Türkei siedelten, nun sich ihrer Herkunft besinnen und in die EU möchten.

Ich vermute auch.

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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon walteranamur » 18. Feb 2018, 21:05

Auch so kann man unter Staatsanleitung auf einen hängigen Visumstreit Einfluss nehmen. :hallo3:

Probleme im Selbstverständnis Erdogans dürfte es allerdings geben, wenn sich herausstellt, dass neben 15 Mio Kurden plötzlich auch noch 20 Mio Balkantürken in der Türkei leben :cherrysmilies113:
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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Jade » 19. Feb 2018, 02:56

Reyhan hat geschrieben:...mir wurde erzählt bis in die 1900 er Jahre. Da ich aber nicht alles glaube was mir erzählt wird, werde ich meinen Mann übermorgen bitten, mal selbst solchen einen Auszug anzufordern. Ich werde berichten.



Sehr gerne, wenns keine Mühe macht. Ich kann mir vorstellen ab ~ 1923 ... viele Türken in den dörflichen Ansiedlungen kannten/kennen ja auch nicht ihr korrektes Geburtsdatum, weil nicht immer registriert wurde. Und ob immer korrekt archiviert wurde?
Auch in D wird es mit Stammbaum-Erstellung schwierig ... Einwohnermeldeämter/Standesämter geben einiges her, aber wenn ich weiter zurück möchte muss ich in den Kirchenbüchern graben.
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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Artemis » 19. Feb 2018, 08:47

Auch Auslaender mit einer Aufenthaltsgenehmigung bekommen eine Personalnummer, unsere faengt mit 990 an.
Wenn man nach dem Stammbaum geht, dann müsste mein Mann eine ukrainische Staatsangehörigkeit beantragen können, eine seiner Uromas (Krimtatarin)stammte von der Krimhalbinsel. Ich könnte dann noch evtl. die Niederlaendische und die Polnische (Uropa deutschstaemmig aus Oberschlesien) beantragen.
Machen wir es einfach, versuchen wir doch nur ein Weltbürger zu sein,

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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Artemis » 19. Feb 2018, 08:53

Nachtrag: Der Schwager meiner Schwiegermutter stammte aus Üsküp (Skopje) und kam in den 50iger mit seinen Eltern und Geschwistern in die Türkei. Im osmanischen Reich kam sein Opa, aus Konya stammend, als Soldat nach Üsküp und blieb dort haengen, weil es ihm gefiel.
Meine Nachbarin, Doppelstaatlerin bulgarisch und türkisch, habe ich darauf hingewiesen für die Kinder die bulgarische Staatsangehörigkeit zu beantragen. Ich habe ihr erklaert, dass es für die Zukunft der Kinder wichtig ist, evtl. Ausbildung im Ausland, und die Kinder sollen ihr spaeter keine Vorwürfe wegen der verpassten Gelegenheit machen. Ihr Mann, aus dem Osten stammend, versucht jetzt auch die bulgarische Staatsangehörigkeit zu bekommen.
Zuletzt geändert von Artemis am 19. Feb 2018, 13:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wunsch nach 2. Staatsangehörigkeit

Beitragvon Cinar » 19. Feb 2018, 11:36

Unter Familienforschern geht das Gerücht, dass die osmanischen Meldeämter wesentlich besser waren, als viele in den deutschen Ländern. Man käme mit Familenforschung im osmanischen Reich daher oft weiter zurück, als z.B. in Preußen. Vorausgesetzt, man ist in der Lage die alte Schrift zu lesen und zu verstehen.
So wurden grundsätzlich die Namen der Eltern, wenigstens aber der des Vaters, mit in den Daten bei Geburt, Hochzeit oder Tod aufgenommen. Auch auf den Grabsteinen auf Friedhöfen, die ja auf "ewig" bestehen bleiben, steht neben dem Namen noch der Name des Vaters oder des Ehepartners. Da kann man manchmal ganze Familiengeschichten von den nebeneinanderliegenden Gräbern ablesen. In Deutschland wird diese Art von in Stein gehauener Familiengeschichte leider durch die relativ kurzen Liegezeiten von 20-25 Jahren nicht wach gehalten.

Hier noch ein Link zu einem Artikel über die Einführung von türkischen Familiennamen.

Unter meinen Urgroßeltern gibt es französische, englische, polnische und deutsche Namen, alle diese Personen lebten zum Zeitpunkt ihrer Geburt seit mehreren Generationen in deutschen Landen und sprachen als Muttersprache deutsch. Ansonsten eben die typische Berliner Mischung: Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Brandenburg und Berliner.

Und bloß weil ich jetzt 20 Jahre in der Türkei lebe, bin ich noch lange keine Türkin.

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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Artemis » 19. Feb 2018, 13:30

Ich denke, weil durch Kriege mit Brandschatzungen und Bomben viele Regiester in den Kirchen und Gemeinden vernichtet worden sind, könnte eine Familienforschung schwierig sein. Es gibt auch noch Websiten, die bei Stammbaumforschungen behilflich sein wollen. Ich habe es mal die Bedeutungen der Nachnamen probiert, da waere mein Opa mütterlichseits keltischer Abstammung.

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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Reyhan » 20. Feb 2018, 13:35

Cinar
Danke für den Link.
Mit diesem Namen
Uzunkavakaltındayataruyuroğlu
reicht aber kaum ein Unterschriftenfeld. Obwohl, Leutheusser-Schnarrenberger ist auch ganz schön lang...

Jade
wird heute leider nichts mit der Überprüfung. Mein Mann schläft seine Zeitverschiebung aus und ist zu keinerlei Aktivitäten zu bewegen. :cherrysmilies120:

Ich finde das ganze Thema auf jeden Fall sehr interessant und werde mir noch einmal das Buch anschauen , dass ich zu meinem " Stammbaum" irgendwo im Keller liegen habe. Aber leider nur von der Seite meines Vaters.

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Re: Wunsch nach 2. Staatzugehörigkeit

Beitragvon Reyhan » 4. Mär 2018, 14:20

Jade
Ich bin ja noch eine Antwort schuldig : das 1. Datum auf der Liste ist von 1854 :o . Hätte ich nicht gedacht.

Wer das Thema an sich noch ein wenig intensivieren möchte, kann ja hier mal schauen :
Spiegel Ahnenforschung

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